Jungunternehmerinnen
Wer nicht wagt
Nicht viele Frauen wagen ihn, den Schritt in die Selbständigkeit. Es ist die Ungewissheit, die abschreckt.
Wie überlebt man die ersten Monate? Kommt die Idee bei den Leuten an? Die eigene Geschäftsidee zu verwirklichen, macht es notwendig, seine Ängste und Zweifel zur Seite zu schieben und sich von der Hoffnung leiten zu lassen. Der Erfolg winkt als Lohn. Wir haben drei hallische Unternehmerinnen getroffen.
Vor mittlerweile fünf Jahren begann Anja Weidner als Einzelkämpferin, ihren Traum zu verwirklichen. Sie wollte raus aus dem Angestelltenverhältnis und rein in die Selbständigkeit. Trotz zunächst negativer Resonanz errichtete sie mit Eigenfinanzierung und Schaffenskraft ihr Arbeitsparadies und gründete ihr eigenes Grafik- und Werbestudio. Der Wettbewerb in Halle macht es nicht leicht. "Doch mit vivid-designz wird auf eine klare Linie geachtet, hier gibt es Qualität", sagt Anja Weidner. Sie versucht sich klar abzugrenzen und setzt auf grafische und mediale Gestaltung, die Weiterverarbeitung, wie der Druck wird bei Partnerfirmen durchgeführt. "Ich finde es schöner, wenn man miteinander arbeitet und ein Netzwerk aufbaut", erklärt die Geschäftsfrau. Mit ihrer Einstellung ist sie weit gekommen und hat nun zwei weitere kreative Köpfe neben sich sitzen. Die einstige Einzelkämpferin hat ihr Team gefunden, die jungen Leute um die 30 leben für ihren Beruf und sind gemeinsam stark und kreativ. Zum fünfjährigen Bestehen ist vivid-designz also kein Solo-Studio mehr, sondern treffen wir ein Grafik- & Werbekollektiv in der Kurallee 15. Anlässlich des Jubiläums gibt es bei ihnen vom 1. März bis zum 31. Dezember 2012 eine Rabattaktion auf die Nettogesamtsumme des Angebotspreises (erster Auftrag 5 Prozent, zweiter Auftrag 10 Prozent, dritter Auftrag 15 Prozent).
Erst seit 20. Januar hat der Tierbedarfsladen "Für alle Felle" am Lutherplatz 11 geöffnet und trotzdem ist Inhaberin Martina Debreceni ein alter Hase in der Selbständigkeit. Die 47jährige hatte bereits mit einer Bekannten eine GbR gegründet, doch sie entschied sich schließlich dafür, alleine weiterzumachen und einen Tierladen zu eröffnen, bei dem es nur um das Tier geht. "Existenzängste sind immer da", verrät sie. Sie war den Kampf aber nicht alleine angegangen und hatte sich einen Gründer-Coach an die Seite geholt. Mit ihrem Geschäft ist sie zurück in ihr altes Viertel gekommen ("Es hängen hier viele Erinnerungen") und hat sich auf die zwei besten Freunde des Menschen spezialisiert, den Hund und die Katze. Martina Debreceni erklärt: "Auch die Tiere werden von Zivilisationskrankheiten heimgesucht, da ist es wichtig, auf eine gute Ernährung zu achten." Im Regal steht, was ihre zwei Beardies auch bekommen, die Produktpalette zweier deutscher Firmen. Jeden letzten Freitag im Monat gibt's eine kostenlose Ernährungsberatung und auch die Zusammenarbeit mit einem Tierphysiotherapeuten ist geplant. Was Martina Debreceni weiterhin am Herzen liegt, ist, Tiere an neue Besitzer zu vermitteln. Wer auf der Suche nach einem Gefährten ist, wird vielleicht im "Für alle Felle" fündig.
Was man zuerst für ein schickes Café hält, ist in Wirklichkeit ein neuer Trend der Haarentfernung. Sugering nennt sich die sanfte und schnelle, aber auch gründliche Methode. Schon die Ägypter wussten, dass man das "Halawa" nicht nur essen, sondern damit auch lästige Härchen entfernen kann. Diese Zuckerpaste besteht aus Wasser, Zucker und Zitrone, daher ist sie auch für Allergiker geeignet. Seit dem 10. Oktober hält die Jungunternehmerin Madlen Rill ihre Sugar Lounge im Paulusviertel (Goethestraße 8) geöffnet und zeigt alles mit strahlenden Augen. "Klar hatte ich Angst vor der Selbständigkeit, aber ich kannte mich aus mit der Store-Leitung und dem Kundenkontakt", verrät die lebensfrohe 24jährige. "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Madlen Rill steht vollkommen hinter ihrer Lounge und glaubt, dass sich die Arbeit lohnen wird. Ihr Bruder hat sie zu diesem Laden inspiriert und sie wollte ihm mit der Eröffnung eine Überraschung bereiten, doch tragischer Weise verstarb er kurz davor. Jetzt lebt ein Stück von ihm darin weiter, was Madlen Rill nur noch stärker an ihrem Traum festhalten lässt. Bereut hat sie ihren Schritt keineswegs: "Ich weiß, warum ich das mache und wofür."
Drei Unternehmerinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und doch verbindet sie eine Leidenschaft, die Liebe zu ihrem Geschäft. Sie gehen in ihrer Arbeit auf, freuen sich auf jeden Tag, weil sie es gerne machen. Diese Frauen haben ihr Erspartes und ihre Energie für ein Ziel eingesetzt, halten Ungewissheit und Existenzangst aus, weil sie von ihren Ideen überzeugt sind. Was sie gewonnen haben, ist die Zufriedenheit ihrer Kunden, für jede von ihnen ein Geschenk.

